One of these days

Heute ist einer dieser Tage, an denen ich einfach überhaupt kein Bock hab, Rücksicht auf meine Krankheit zu nehmen.

Heute Mittag hab ich über einen 2.000 Wörter-Text übersetzt, das hat mir glaub ich gut getan und Spaß gemacht. Aber generell geht heute nicht viel. Ich würde aber so gerne. Ich versuch es trotzdem aber es ist eine totale Gradwanderung.

***

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An manchen Tagen geht es mir gut.
An manchen Tagen fühle ich mich nicht gut.
An manchen Tagen kann ich mich fast akzeptieren,
An manchen Tagen hasse ich mich selbst.
An manchen Tagen bin ich etwas unbefangen
An manchen Tagen bin ich total unter Druck und eingeengt.
An manchen Tagen lasse ich mich so wie ich bin
An manchen Tagen kämpfe ich gegen mich selbst

Manchmal bin ich stark
Und manchmal bin ich schwach

An manchen Tagen genieße ich Schöne Dinge
Manchmal ziehen sie einfach an mir vorbei.

An manchen Tagen denke ich positives
Und an manchen Tagen versinke ich im Loch meiner Gedanken

An manchen Tagen habe ich Ideen
Und oft vergesse ich alles

So ist das
an manchen Tagen.

Update (10.Juni) – sowas wie Tagebuch

Ich bin grade auf dem Weg  nach Hause und dachte, ich lass euch mal was da.

Unsere Facebook-Seite hat schon über 200 Likes und das in den wenigen Tagen – erstmal ein fettes Danke an euch alle dafür 🙂

Meine Woche war anstrengend. Es war nicht besonders viel aber eben normal viel. Die letzte Woche war ich psychisch richtig am Arsch, was sich auch noch auf diese Woche auswirkte. Heute ist der erste Tag wo es mir wirklich einigermaßen ganz gut geht und es auch relativ konstant bleibt.
Das ständige auf und ab ist schon sehr anstrengend und manchmal fühlt man sich so beschissen, dass man denkt, es geht nicht mehr weiter und man will die nahe Zukunft lieber gar nicht erleben. Und trotzdem wacht man jeden Tag wieder auf.
Und da ich das tue, scheint das irgend ein Grund zu haben. Dass ich noch hier bin, scheint irgendein Grund zu haben. Zumindest soll ich derzeit nicht tot sein, denn da gabs mehr als genug Gelegenheiten, mich sterben zu lassen.
Also bin ich hier. Und frage mich wieso und was ich mit meiner Zeit anfange.
Da ich (wie manche wissen) auf Hilfe im Alltag angewiesen bin, bleibt mir nicht ganz so viel übrig.
Und ehrlich gesagt, habe ich noch keine Antwort gefunden. Zumindest derzeit kein Plan wo’s hingeht. Zurzeit investiere ich Einiges in den Blog und in unsere Facebook-Seite, wo wir gute Kontakte am aufbauen sind.

Es ist nicht so, dass ich den ganzen Tag Zuhause sitze und überlege was ich machen soll. Ich geh Arbeiten, zum Sport, zu den Therapien, gelegentlich zu diversen Ärzten (leider) oder einkaufen, und manchmal schaffe ich es, Freunde oder Familienmitglieder zu sehen, wenn auch eher selten, besonders letzteres.

Ich weiß nicht ob ihr das kennt. Man will was machen. Eigentlich macht man viel und eigentlich funktioniert man gut. Vielleicht bleibt hier und da mal ein Funke zeit für sich selbst, wo man versucht sich auzuruhen, Filme schaut oder unter Umständen sich zuballert, oder anderweitig die stärksten Schmerzen betäubt. Ich hoffe nicht, aber ihr wisst was ich meine.
Eigentlich macht man ständig was und trotzdem fragt man sich, ob das alles ist?? Zieht das Leben nicht irgendwie an einem vorbei?? Deine Zeit läuft ab und du bist ständig am machen. Aber wohin führt das ganze? Wo soll das hin führen, wo willst du hin???
Ich weiß nicht was für ein Leben in meiner Zukunft ist. Wie alles wird. Keine Ahnung. Jeder sagt man hat es selbst in der Hand. Gibt es da einen Unterschied  zwischen Kranken und Gesunden? Zwischen Behinderten und nicht-behinderten? Und wenn ja, welchen?
Haben auch wir es in der Hand oder nur die „Normalen“, die Gesunden oder Fitten? Haben wir nur einen kleineren Spielraum? Man sagt mir, dass ich in einigen Bereichen nie arbeiten können werde, dass ich einige Dinge nie tun können werde. Aber wie ist es wirklich?  Was ist drin und was nicht?

Kein Wunder, dass so viele von uns Drogen ballern. Sich zuballern bis die scheiß Gedanken aufhören, bis der verfickte Schmerz endlich weg ist. Zumindest für paar Stunden. Wenn man keine gute Perspektive hat, wenn andere nicht an einen glauben, ist es schwer die Realität zu ertragen. Und selbst an sich zu glauben. Die Drogen geben einen irgendwie halt. Was man kennt, auch wenn es schlecht ist, gibt einen manchmal unheimlich viel Halt. Mamchmal zu viel um Loszulassen. Egal ob Pillen, Pulver, Gras, Klingen, Alkohol, Kippen oder Mehrere zusammen. Zocken, Sex, Medikamente, nur Arbeiten, egal. Jeder hat irgendetwas, das ihn den Schmerz nimmt oder vergessen lässt. Es gibt sogar Leute, die sich ins Lernen flüchten. Keine schlechte Tätigkeit, aber wenn mans übertreibt für die Psyche nicht viel weniger Selbstzerstörerisch wie harter Stoff.
Aber müssten wir nicht viel mehr an dem Schmerz selbst arbeiten als an den Folgen des Schmerzes (Depression, Selbstverletzung, Drogen ….)?

Ihr könnt mir gern schreiben oder kommentieren, wie es euch damit geht, wie ihr das handelt oder wenn ihr es vielleicht nicht handeln könnt. Wie seht ihr das Ganze? Welche Tipps habt ihr für Andere?

Unsere Facebook-Seite, die mit dem Blog gewissermaßen gekoppelt ist:

Name: Lebenswege mit: Depression, Dissoziation, Sucht, & mehr.

Oder: Facebook.com/LebenswegeDDS

***

Also dann

Genießt euren Abend noch & verbringt ein Schönes Wochenende ♥

Bleibt sauber (;
-Janey

Viel Gefühl = viel Leid

Ich schreib‘ es raus
Schneid es raus
Schrei es raus
-Aus

***

Ich will nicht wieder was ballern
Mein Herz leidet schon
Unter meinen normalen Medikamenten
Die Zeit kommt so oder so wo ich wieder mehr nehmen muss
Ob ich will oder nicht
Um die Schmerzen auszuhalten
Weil mein Gehirn sonst die Verbindung zu meinem Körper und zu meinem Bewusstsein kappt
Und dann merkwürdige Dinge passieren

Aber die seelischen Schmerzen
Die betäubt es nicht
Nur Kaum, nur zu wenig, viel zu wenig

Ich muss sie betäuben um sie ertragen zu können
Um überleben zu können
Ich versuchte nicht so viel zu schneiden
Es ist schwer es zu unterbrechen
Und die Leere danach, wie bei allem, lässt sich auch nicht ausfüllen damit
Es hilft mir und macht mich gleichzeitig kaputt
Ich übertrieb es aber dachte ich hätte es im Griff
Hätte es in der Hand was ich tue und was ich lasse
Dabei ist das schon lange nicht mehr so

An manchen Tagen geht es gut
Wochenlang schaff ich es mittlerweile ohne SV, zurzeit zumindest.
Normalerweise mittlerweile sogar immer mehrere Monate ohne Schneiden, mehrere Monate zwischen den Rückfallen (die danm aber richtig kommen), nicht immer ganz ohne sv aber ohne das extreme Schneiden,
aber gerade nicht durch den ganzen Stress, gerade nur wenige Wochen dazwischen.

Das ist wenig Zeit im Vergleich zum vergangenen Jahr, eine schlechte Quote.

Im Vergleich zu vor 2 Jahren etwa normal, abee im Vergleich zu 3-4 Jahren und vorher immernoch sehr viel Zeit. Sehr viel Zeit sv-frei im Vergleich zu damals. Ohne mehrmals täglich kam ich nicht durch den Tag oder die Woche, oder durch die Jahre.
Die Rückfälle haben sich wenigstens gut reduziert und ich will dass es so bleibt.
Kaum einer versteht das und weiß wie hart es ist, dahin zu kommen. Kaum einer weiß wie viel Kraft es kostet und schätzt es. Aber schneiden verurteilen dafür die meisten.
Meine beste Freundin versteht es ein bisschen und sie sagt mir manchmal wie toll es ist dass ich länger clean bin.

*

Ich hab so große Verlustängste
Ich weiß immernoch nicht wie ich damit umgehen soll
Wir versuchen zu kämpfen aber so bringt das nix, ist zumindest mein Eindruck
Wir bewegen nicht so viel wie ich mir gewünscht hätte

Wo wir zusammen gewohnt hatten, hatten wir so eine gute Zeit
Es war nicht alles Gut aber wir hatten einander und die meiste Zeit hatten wir auch die Kleine
Als sie starb stand er so hinter mir, hat mit mir getrauert
Wir haben so viel zusammen gemacht, erlebt, waren immer füreinander da

Jetzt ist es anders, wir wohnen schon lange nicht mehr zusammen, ja.
Aber so entfernt haben wir uns nur die letzten Monate.

Jedes Mal in der Therapie das Gleiche Thema. Kurzfristig hilft das aber langfristig kriegen wir es doch nicht hin, zumindest nicht dadurch.

Ich fühle mich so allein.
Ich weiß nicht wann ich mich das letzte mal einem Menschen ganz anvertraut habe, alles raus gelassen habe und erzählt. Geweint, getröstet worden.
Ich glaub es war bei Ihm aber es ist schon lange her. Ich sagte ihm, dass ich noch nie so eine intensive Bindung und Beziehung zu einem Menschen hatte, und es stimmte. Meine vorherigen Beziehungen waren zwar teilweise lang, aber nicht so intensiv. Er weiß über alles Bescheid zumindest damals. Ich weiß nicht wie er fühlt. Ob er das merkt. Ich denke ja. Aber wahrscheinlich nicht so intensiv.

*

Man sagt, wenn man ein Herz malt, ist immer eine Hälfte größer als die andere.
Es ist unmöglich, von Hand ein Herz zu malen, dessen Hälften exakt gleich groß sind.
Warum?
Weil einer der beiden Patner in einer Beziehung immer mehr liebt als der andere.

Und wo viel Gefühl ist, da ist auch viel Leid.

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*

Das ist nicht die Ursache aber es erklärt warum es mir so schlecht mit der Situation geht, denke ich. Warum er es weniger abkriegt als ich. Aber auch weil ich leider die gestörtere von uns beiden bin, bei der ohnehin mehr schräg läuft und die ohnehin mehr Probleme hat. Das ist alles ein Gerüst. Und wenn eine Ebene schief ist, sind es die anderen auch.

**

Fly away, little hopeless soul

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Für Lea, die viel zu früh ging..

Ich weiß nicht, ob du das hier liest. Ob das hier jemand liest, der dich kannte. Der vielleicht auch mich kennt, doch dies ist unwichtig.
Ich habe gerade ein Video gesehen, wo du mit drauf bist. Mit Menschen, am Tanzen auf einer Veranstaltung. Kein ganzes Jahr später bist du gesprungen. Von der Talbrücke und nie mehr zurück gekommen.

Im Internet nur ein paar wenige Todesanzeigen zu finden. Weiter nichts. Kein Profil, kein Wort über deinen Selbstmord. Ich weiß,  dass deine Beerdigung gut besucht war. Dass sie vielen in Erinnerung bleibt und viele sehr geweint haben.
Leider habe ich alles zu spät erfahren. Als alles schon vorüber war. Du warst beerdigt und unlängst tod.

Du bist nicht der erste Mensch, in meinem Leben (in deinem Fall leider nur in meinem Bekanntenkreis) der mich/uns auf diese Weise verlässt und wirst vielleicht auch nicht der letzte sein. Ich kenne das Gefühl, den Drang, die Sehnsucht nach dem Tod, die oft größer ist als der Lebenswille. Gerade wenn man viel Leid erlebt und viele Probleme hat. Doch weißt du das?

Weißt du, dass du nicht alleine warst? Ich frage mich, wenn ich gewusst hätte, dass etwas los ist in dir drin, ob ich dich aufgesucht hätte bei dieser Veranstaltung. Oder vielleicht schon Jahre vorher wo ich dich gelegentlich aus Entfernung sah. Den Kontakt zu dir gesucht hätte. Vielleicht hätte es dir schon geholfen, zu wissen dass du nicht alleine bist. Alleine mit diesen furchtbaren Gefühlen, mit diesen Todbringenden Gedanken, mit den Depressionen und allen Problemen. Wer weiß wie lange du sie schon hattest. Wie lange du all das mit dir getragen hast. Unter der Last zusammen brachst. Vielleicht hätte es dir geholten vielleicht hättest du Hilfe bekommen.
Vielleicht hätten wir deinen Tod verhindern können. Ich wünsche mir selten in meinem Leben, die Zeit zurück zu drehen. Aber bei dir würde ich es mir so sehr wünschen. Für deine zarte verletzliche Seele.
Die Zeit zurück zu drehen wo du noch lebtest, mit dem Wissen dass du nicht OK bist auch wenn es nach außen hin so aussieht.
Eine Beziehung zu dir aufzubauen, mit dir gemeinsam Hilfe zu suchen.

Manchmal helfen Freunde einem mehr als Therapeuten und Ärzte. Klar sind die auch wichtig aber Freunde begleiten einen dahin und da durch, Freunde zeigen persönliches Interresse und fangen einen auf wenn ein weiterer Teil deines Herzens zerbricht.

Die Maske saß gut. Zu gut. Gut für andere aber schlecht für dich. Und somit am Ende noch schmerzhafter für andere.
Ich wusste nicht, wie es in dir drin abgeht, wahrscheinlich genau so wenig wie du es von mir wusstest. Aber hätte es was geändert wenn wir es wüssten? Ich hoffe es…
Vielleicht hast du mit keinem darüber gesprochen und von keinem anderen mitbekommen, dass es ihn ähnlich geht. Vielleicht fühltest du dich alleine damit… Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht wussten es manche aber der Kampf war zu hart. Der Sturm an der Front zu heftig, hat dich umgehauen. Ich weiß wie das ist. Die Hoffnung zu klein, zu zerbrechlich. Entwurzelt. Die Lügen des Todes und der Depressionen viel zu mächtig…

Wie fühlte es sich an auf der Brücke zu stehen?
Ich weiß wie es sich anfühlt, ein Ende vorzubereiten, kurz davor oder mittendrin zu sein, nur noch Sekunden bis alles vorbei sein würde.

Wie fühltest du dich als du an der Brücke standest? Was hast du gedacht? Hast du in den Himmel oder auf die Erde geschaut?

Ich weiß, dass du in einem christlichen Umfeld aufgewachsen bist. Ich weiß nicht ob du Jesus in deinem Herzen hattest doch ich gehe davon aus… andere waren so begeistert von dir.. hast du das nicht bemerkt oder konntest du es nicht sehen?

Ich hoffe, du bist nun im Himmel und bist gesund. Ich hoffe, du kannst jetzt die Liebe fühlen. Das Leben. Nicht mehr die Probleme, den Hass und das unendliche Leid.

Ich weiß, wie das ist, einsam zu sein und es tut mir so Leid, dass du es warst. Egal wie viele Menschen um dich waren, starbst du letztlich alleine. Auch wenn viele darunter litten, ein Loch in ihrem Herzen wie einst deins, konnte es keiner verhindern.

Ich stelle mir vor, wie Gott deine Seele im Fall auffängt, noch bevor dein Körper auf der Straße aufprallt und zerschmettert. Wie er seine Hand unter dich hält, deine Körperliche Hülle hindurch fällt aber deine Seele in seine Hand fällt, bleibt und dort aufwacht. Geborgen und warm. Unverletzt und Heil durch Ihn. Wie sie vielleicht mit Flügeln wie ein Engel empor steigt und sich von dieser Erde verabschiedet.

Ich wünsche es dir so sehr, Lea.

RIP. – Lea-Johanna G. ♡

Losing touch

I’m losing touch with the earth.
I’m losing touch with reality.

I’m slowly losing touch with humanity.

I’m losing touch with my body. With people. With all that’s around me.

Losing touch with everything I once felt.

I’m fading away without leaving the room.

*

Keine Worte. Es gibt keine Worte mehr.
In diesem Meer aus… undefinierbaren Wolken, schlechte Luft und merkwürdigen Dingen.

Hier gibt es keine Menschen mehr. Hier gibt es keine Sprache. Hier gibt es nichts was real ist. Fast nichts. Außer ein kleines Bisschen. Dieses kleines Bisschen. Was es auch ist. Es steckt in uns. Und es hält uns irgendwie am Leben. Zumindest am Überleben.

*

Aber was ist da noch?

Am Ufer, es ist alles dort, man kann alles sehen, so weit und so groß.
Aber hier, im Meer aus Nichts. Gibt es fast nichts. Nicht mal Paddeln, um ans Ufer zu gelangen. Das Meer zieht dich in die Tiefe, versucht dich zu ersticken, deine Lippen auf ewig zu schließen.

*

Doch dieses kleines Bisschen. Lässt einen irgendwann irgendwie wieder Luft holen und lässt einen ans Ufer gelangen. Egal in welchem Zustand aber lebendig.
Zurück ans Ufer. Zurück in die Welt. In die Realität, zumindest einen Teil von ihr.

Versprochen.

All of your pieces -(Gem)einsam.

„There’s too much smoke to see it.
There’s too much broke to feel this.
I love you, I love you
and all of your pieces.“
(Andrew Belle – Pieces)
**

Wir wissen gerade nicht, wie es weiter gehen soll. Der Umzug letztes Jahr lief gut und die Zeit danach sehr schwankend aber okay. Und jetzt ist alles ziemlich eingeklemmt und schwierig.
Das einzige was mich aufbaut, ist mein Freund, den ich immerhin manchmal sehen kann.

Ich bin übergangsweise bei Verwandten untergekommen. Keiner kann sagen, ob es in der WG wieder klappt. Und wann. Und wo ich hinkomme, wenn es nicht klappt. Wenn es wieder schlimmer wird, muss ich in die Klinik. Sagen sie.
Darum bin ich zurzeit hier, um das erstmal zu verhindern. Noch bis morgen.

Ich weiß nicht viel, ich hab keine Ahnung wie es weiter gehen soll. Und wo.
Und das kann mir auch keiner sagen.

Aber eins weiß ich. Gott geht mit mir. Und mein Freund hält zu mir. Und es gibt Menschen, die mich Unterstützen.
Den Weg muss ich selber gehen, meine Beine selber bewegen. Leider. Auch wenn ich nichts weiß. Und mich manche so viel fragen, ich keines davon beantworten kann.
Und auch wenn es sich so anfühlt;
Ich gehe nicht allein. Nirgends.

 

I love you, I love you.
…and all of your pieces.

Umzug, oder: Meer und Felsen

Umzug. Ich fahre sowas von Achterbahn.

*-*

K. ist mein Fels in der Brandung. Egal wie weit das Meer sich zurück zieht. Egal wie schnell und wie stark es gegen den Felsen schlägt. Der Fels bleibt beständig und fängt das Meer ab, fängt die Wucht, mit der es getrieben wird, ab. Er wird nass vom Wasser, aber wenn das Meer sich zurück zieht, zwingt es es nicht, zu bleiben, zeigt ihm aber, dass er da ist.

Ein letztes Mal ist das Meer mit dem Felsen verschmolzen. Ein letztes Mal in diesem Haus, in diesem Zimmer. Ein letztes Mal fließen wir, eng umschlungen, verschmelzen, lösen uns auf. Wir fließen davon, fliegen auch davon. Die Musik ist weit weg, alle anderen Menschen weit weg – doch bald wieder sehr nah. Bald kommen wir wieder in der Brandung an, auf dem Boden an.

­

Du an mir, wir zusammen, landen ganz sanft zurück in diesem Zimmer, in dieser Musik, mit dem Wissen, dass es unser letzter Flug, unser letzter Fluss, in dieser Umgebung war. Die Sternschnuppen winken uns zum Abschied; sie behalten uns in Erinnerung und wir sie. Du weißt was gemeint ist. Und irgendwann, vielleicht, kommen wir einst zurück zu unseren alten Freunden. Der Abend, er bleibt immer in mir, in dir, und wir in ihm. Die Sterne lächeln uns an und schweigen. Ein Geheimnis zwischen uns und den Sternen, unergründlich.

Und doch ist’s ein Abschied. Wenn auch nicht heute, so morgen, übermorgen. Sagen wir Tschüss zu den Sternen, zu dem Magischen Ort und zu dem Zimmer, dem Haus, dem Bett, der Wand, den Lichtern. Dem kleinen Sternenhimmel über dem Bett, der vielleicht anderswo auftauchen wird.

Tschüss und vielleicht auf Wiedersehen – doch versprechen können wir’s nicht.

°

°

Viele schöne, bewegende Erinnerungen nehmen wir mit. Die schlechten, schmerzlichen Erinnerungen, die meist einsam, manchmal gar blutend; ich versuche sie hier zu lassen, zurück zu lassen. In dem Zimmer – doch nicht für wen anders. Nimm das Gute mit, bewahre so viel wie möglich davon in deinem Herzen auf, und lass das Schlechte los. Leicht gesagt doch so leicht tut sich’s nicht.

Diese letzte Nacht, dieses letzte Wochenende mit dir hier, magisch, wunderschön. Mein Kissen riecht nach dir, ich möchte es einfrieren. Doch löst sich auch der schönste Duft irgendwann auf. Doch das Kissen nehme ich mit, glücklicherweise.

Deine Hände in meinen, deine Arme um meine, um mich gelegt, möchte ich einschlafen. Den Stress vergessen. Den Umzug. Die Achterbahn. Vergessen wie ich bin, vergessen die Probleme und was Vergangen. Ein Moment. Für dich, für mich. Fern von allem, was schwierig ist. Fern vom Reich der Tränen, fern von Problemen, Stürmen, die über unser Leben ziehen, dem täglichen Wahnsinn. All das vergessen, lass es los. Einen Moment Hoffnung, einen Moment nur Liebe.

Nur Liebe und einander Haben. Egal was war, egal was ist und was kommt.

°

°

Halte an ihm fest, halte mich fest. So wie das Meer und der Felsen. Er löst sich im Meer auf und das Meer in ihm, doch bleiben beide sie selbst. Das Meer, nass, kalt und manchmal warm, manchmal schwach und manchmal gewaltig, manchmal weit weg und manchmal ganz nah. Es hat Energie, hat sie aber nicht immer wenn sie sie braucht, und keiner vermag diese Energie zu kontrollieren. Keine Menschen, keine Felsen, kein Himmel. Nicht mal das Meer selbst vermag dies. Der Felsen fest, oft auf den ersten Blick unnahbar, doch keiner weiß wie tief er reicht, wie schwer er ist und was in ihm verborgen. Doch genauso geht es dem Meer.

Es schlägt gegen viele Felsen, gegen kleine Steinchen und gegen Sandbänke. Doch in einem Felsen kehrt es immer wieder zurück. Bei ihm bleibt es. Ich hoffe für immer. Der Felsen und das Meer. Der magische Ort. Die Sternschnuppen.

°

°

Das „I love you“ an der Wand. Eines der wenigen Dinge, die ich noch nicht abgehängt habe. Und ein Foto von uns. Und Lena, du weißt schon, bei mir.

Danke dafür.

Und Danke, Gott, dafür.

Für den Halt, ein bisschen,

in einem stürmischen, scheinbar wurzellosen

Leben.

Schatten und Licht

Es ist richtig und falsch.

Ich will es, aber will es auch nicht. An der Grenze zwischen Leben und Tod spielt meine Seele Fangen. Summt die immer gleiche Melodie, vorwärts und rückwärts.

Soll ich mich einfach gleiten lassen? Zerreißen lassen von den umgebenden Wesen, betäuben lassen von der weiten Nacht? Wird es mein Absturz sein oder mein Sieg?

*

Und morgen, wenn alles vorbei ist…

Sind wir dann noch eins? Sind wir dann noch hier?

Ich schaffe das hier nicht. Nicht alleine. Ich möchte fliehen doch ich bin erst gelähmt, dann erstarrt.

Ich möchte schlafen, doch meine Augen sind weit aufgerissen. Und zugleich fallen meine Lider zu, doch der Geist ist rastlos. Er kann seinen Frieden nicht finden. Nie.

War es falsch? Oder war es vielleicht sogar heilsam?

Kann der Schaden die Heilung bringen? Muss man erst wieder richtig abstürzen um fliegen zu können? Muss man dem Tod tief ins Auge blicken um das dünne, zerbrechliche Leben fühlen zu können? Oder hat man dann erst recht Blut geleckt und wird magnetisch angezogen von der Dunkelheit? Vom Tod? Von den dunklen Wesen und den (leeren) Versprechungen? Von dem Gefühl, high zu sein, das die Leere in uns doch nicht ausfüllt?

Schatten gegen Licht. Absturz gegen Erfolg. Tag gegen Nacht. Wunde gegen Heilung.

Du gegen mich.

Ich an dir. Fest.

.

Dort schwebt sie, die ruhlose Seele meiner selbst.

Weit über den Häusern und Lichtern der Stadt, sie fliegt wie ein Adler. Winkt dir zum letzten Mal. Ich winke dir zum letzten Mal. Und sie schwebt immer weiter, immer höher. Davon. Weit weg.

Bis ihre Flügel zerreißen und sie in die unendliche Tiefe des Universums tauchen. Ohne ein Fünkchen Widerstand. Kraftlos. Willenlos. Hoffnungslos?

Schnell und faszinierend hinab. Du und ich. Heute und morgen.

You and I collide

+++

Steigst in die vorletzte Bahn

die dich von hier wegbringt

schaust dich ein letztes Mal um

während dein Kopf mit Schatten ringt

Ich sitze hier und hör Musik

beobachte die Farben verlaufen

in ein kaltes Schwarz getränkt

glänzen sie

vernebeln die Luft.

ich atme sie ein

halte sie fest

 *

Dein Zug fährt langsam los

du legst dich auf den Boden

schließt deine Augen

hörst dumpf die Stimmen um dich herum

Ich flieg zum letzten Mal

die Spritze fällt zu Boden

mein Herz jagt dem Gifte nach

Ich schwebe weit weg

zu einem Riesenvulkan

Die Bahn beschleunigt

es ist ein ICE

weißt es gibt kein zurück mehr

Notbremse verloren

+

Mir wird warm

ich hör die Lava brodeln

fühl mich so geborgen

weiß es dauert nicht mehr lang

Es fängt zu zischen an

ich werde weggespült

der heiße Lebensfluss, so leuchtend die Kraft

gleite ich ins Tal hinab

Ich sehe Sonne und den Mond am Himmel stehn

zwischen den schwarzen, dichten Schlieren

Dein Zug wird jetzt noch schneller

auf Hochgeschwindigkeit

die Angst packt dich

doch du bist entschieden

weißt was kommen wird

und ich weiß es auch

wie ein Schlag ist meine Welt weg

zerbrochen und versunken

zurück im Zug, wieder Farben vor mir

ziehe ich mich Stück für Stück nach vorne

um dich bald zu sehn

 *

Ich hör es quietschen

die Bremse, doch es ist zu spät

Dreihundert KMH mal zwei

Ich höre Menschen schrei’n

Die Panik überwältigt sie

doch mich nicht.

sie wollen flüchten, doch sind gefangen

im fahrenden Käfig des Todes

schon kommt dein Licht

Ein quälend-zerreißendes Geräusch

ein Knall, so laut wie tausend Schüsse

das Quietschen und Knirschen hält an

Schreie verstummen.

Menschen umgeknickt wie Grashalme

zusammengematscht wie nur noch eine einzige Masse

Sterbende schrei’n.

Überlebende wein’.

-+-

Die Welt steht still.

Ich seh dich vor mir stehn

lauf zu dir

du musst weitergehn!

Deine Tränen in den Augen wisch ich ab

mit einem Tuch aus dem Staub der Vergangenen Leben

wir hörn noch die Sirenen

breite meine Flügel aus

die andern untergehn

Der Himmel rötet sich

gleich kommt das ewig weiße Licht

wir steigen auf, haben’s geschafft

und werden ganz ruhig

Wir müssen nicht mehr kämpfen

alles ist vorbei

diese Welt hinter uns

hör’n noch den letzten Schrei

~

Der Pulsschlag hallt so langsam

Acht Schläge pro Minute

wir halten uns fest

treiben weit weg

Wir sind bereit?

Ende aller Zeit.