You and I collide

+++

Steigst in die vorletzte Bahn

die dich von hier wegbringt

schaust dich ein letztes Mal um

während dein Kopf mit Schatten ringt

Ich sitze hier und hör Musik

beobachte die Farben verlaufen

in ein kaltes Schwarz getränkt

glänzen sie

vernebeln die Luft.

ich atme sie ein

halte sie fest

 *

Dein Zug fährt langsam los

du legst dich auf den Boden

schließt deine Augen

hörst dumpf die Stimmen um dich herum

Ich flieg zum letzten Mal

die Spritze fällt zu Boden

mein Herz jagt dem Gifte nach

Ich schwebe weit weg

zu einem Riesenvulkan

Die Bahn beschleunigt

es ist ein ICE

weißt es gibt kein zurück mehr

Notbremse verloren

+

Mir wird warm

ich hör die Lava brodeln

fühl mich so geborgen

weiß es dauert nicht mehr lang

Es fängt zu zischen an

ich werde weggespült

der heiße Lebensfluss, so leuchtend die Kraft

gleite ich ins Tal hinab

Ich sehe Sonne und den Mond am Himmel stehn

zwischen den schwarzen, dichten Schlieren

Dein Zug wird jetzt noch schneller

auf Hochgeschwindigkeit

die Angst packt dich

doch du bist entschieden

weißt was kommen wird

und ich weiß es auch

wie ein Schlag ist meine Welt weg

zerbrochen und versunken

zurück im Zug, wieder Farben vor mir

ziehe ich mich Stück für Stück nach vorne

um dich bald zu sehn

 *

Ich hör es quietschen

die Bremse, doch es ist zu spät

Dreihundert KMH mal zwei

Ich höre Menschen schrei’n

Die Panik überwältigt sie

doch mich nicht.

sie wollen flüchten, doch sind gefangen

im fahrenden Käfig des Todes

schon kommt dein Licht

Ein quälend-zerreißendes Geräusch

ein Knall, so laut wie tausend Schüsse

das Quietschen und Knirschen hält an

Schreie verstummen.

Menschen umgeknickt wie Grashalme

zusammengematscht wie nur noch eine einzige Masse

Sterbende schrei’n.

Überlebende wein’.

-+-

Die Welt steht still.

Ich seh dich vor mir stehn

lauf zu dir

du musst weitergehn!

Deine Tränen in den Augen wisch ich ab

mit einem Tuch aus dem Staub der Vergangenen Leben

wir hörn noch die Sirenen

breite meine Flügel aus

die andern untergehn

Der Himmel rötet sich

gleich kommt das ewig weiße Licht

wir steigen auf, haben’s geschafft

und werden ganz ruhig

Wir müssen nicht mehr kämpfen

alles ist vorbei

diese Welt hinter uns

hör’n noch den letzten Schrei

~

Der Pulsschlag hallt so langsam

Acht Schläge pro Minute

wir halten uns fest

treiben weit weg

Wir sind bereit?

Ende aller Zeit.

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1 Kommentar

  1. Verwirrend, beängstigend und trotzdem schön. Ich bewundere dich dür diesen Text.

    Liebe Grüße
    Luisa


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